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Eigentum, Zins und Geld von Gunnar Heinsohn, Otto Steiger
Preis bei Amazon: EUR 29,80 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3895185876, Erscheinungsdatum: 2006, Auflage: 4
5 Kundenrezensionen:Eigentum, Zins und Geld könnte ein gefährliches Werk werden. Dies wörtlich ! 3 von 5 PunktenZugegeben, das Werk Eigentum, Zins und Geld scheint im Kontext revolutionär zu sein. Aber ich rate zur Vorsicht und nicht zu blindem Vertrauen einer vermeintlich "ganz neuen Sichtweise", den sie birgt Gefahren. Heinsohn und Steiger stellen das Eigentum als Grundlage des Wirtschaftens vor den Tausch. Dies wird als der revolutionäre Grundsatz in ihrem Werk und somit gegensätzlich zu bestehenden Lehren herangezogen, die eben den Tausch als Grundlage hervorheben. Der Leser wird dann diesbezüglich exakt auf diese neue Grundlage hingeführt und verwundert über seine "alte" Sichtweise nimmt er sie dann an... Glanzleistung, Kompliment an die Autoren... aber ist es wirklich so !? Hier muss der Leser nun dringend aufpassen, den nun unterscheiden sich die Lager... PRO H&S oder - "Moment mal, Vorsicht, so einfach ist es eben nicht." ich zitiere aus einer Rezension von Prof. Bernd Senf zu diesem Buch die ich als herausragend ansehe: "Der Tausch sei demgegenüber lediglich eine Randerscheinung, ein aus dem Eigentum abgeleitetes Phänomen, sei historisch die F o l g e des Eigentums, aber nicht dessen Ursache. Und auch das Geld, der Kredit und der Zins hätten von ihrer historischen Entstehung und von ihrer Funktion her nichts mit dem Tausch zu tun und seien nicht aus ihm hervorgegangen, sondern seien dem Eigentum entsprungen - und seiner Besonderheit, die es fundamental vom Besitz unterscheidet: nur das Eigentum kann verkauft, belastet oder verpfändet werden, während der Besitz lediglich ein eingeschränktes Nutzungsrecht beinhaltet." http://www.berndsenf.de/pdf/Heinsohn_Steiger.pdf Was wäre nun auch eine Folge davon... man sollte scharf überlegen. Auch bei Heinsohn und Steiger wird die Geldschöpfung aus dem NICHTS ultima ratio unisono als fixer Bestandteil zementiert und exakt hier werde ich mehr und mehr skeptisch. DIES vor allem nachdem ich mir die Werke von Professor Bernd Senf angeschaut habe. DER ZINS wird wieder und wieder als unabwendbarer Bestandteil hingenommen. Jahrelang wurden wir diesbezüglich konditioniert und haben die wahren Grundlagen der VWL leider noch immer nicht in eine gesamtheitliches Konzept bringen können. Heinsohn und Steiger sind hier so dicht dran und scheitern aus meiner Sicht eben doch wieder am GRUNDLEGENDSTEN überhaupt, dem Zins. Ab hier scheiden sich die VWL Geister weltweit. NOCH scheint dieser Dissenz in weiter ferne, gar unlösbar. Noch. Meine Hauptkritik an diesem Werk ist die Ausgangslage worauf sich DIE GANZE VWL Lehre von Heinsohn und Steiger aufbaut: EIGENTUM als Grundlage. Nur wer nach Heinsohn und Steiger somit Eigentum besitzt ist somit auch in der Lage zu verkaufen, zu belasten oder zu verpfänden. Dies sind brandgefährliche Aussagen. Man klassifiziert hier schon vorab in eine Zweiklassengesellschaft. Herrschende mit Eigentum, nach wie vor die Minderheit weltweit und Besitzer, also NICHTEIGENTÜMER, weltweit die absolute Mehrheit. Selbstverständlich sind die meisten Leser dieses Werkes Eigentümer und sehen in Heinsohn und Steiger gar die neuen Messiase der Volkswirtschaftslehre. Mit hat die Rezension von Professor Bernd Senf zusätzlich die Augen geöffnet nachdem ich das Werk von H&S studiert habe. Jedoch mit dem gelesenen nicht gänzlich zufrieden war. Ich empfinde den Weg von H&S trotz allem als revolutionär, weil mit vielen alten Betrachtungsweisen aufgeräumt wird, jedoch die Eigentumsgrundlage ist für mich inakzeptabel. Hier erhebt sich ein Teil der Menschen - bestätigt durch dieses Werk - gegenüber dem Rest der Welt. Ob, dies Ziel und Zweck und Zukunft für unsere Gesellschaft sein soll, muss sich jeder selbst beantworten. Mein selbständiges Einkommen ist sehr hoch, aber trotz allem kann ich hier nicht im Ansatz den Autoren folgen. Dies provoziert dann quasi schon altes Denken neu interpretiert. Nach meinem Empfinden wäre jedoch ein NEUES Denken, auch und speziell in der VWL gefragt. Abstand vom Ego und genau hier haben Heinsohn und Steiger aufgehört in ihrer Betrachtung. Schade eigentlich. Ein gutes Buch, keine Frage, aber sehr gefährlich für einseitige Denker die sich schlussendlich nur auf dieses Werk stützen und so über die Lande ziehen und den Menschen erzählen SIE hätte die volkswirtschaftliche Lehre nun wahrhaftig weiter verstanden. Bisher, so meine Feststellung bleibt dies JEGLICHE Schule, klassisch oder modern BIS HEUTE SCHULDIG. Dieses Werk kann nur ein Übergang sein zu mehr Solidarität jenseits der politischen Denkweisen. Aus meiner Sicht eine klare Kaufempfehlung, aber kritisch und ebenfalls im Kontext die Bücher von Bernd Senf, der Nebel um das Geld, die blinden Flecken der Ökonomie gegenlesen, SICH DANN ein Bild schaffen. Dies war zumindest den Weg den ich gegangen bin. Aus diesen Gründen auch nur 3 Sterne. Für mich ein somit ein wichtiges Übergangswerk. Bernd Senf und Heinsohn und Steiger sollten sich mal zusammen setzen und ein Werk verfassen. Sicher ein TRIO infernale im ersten Drittel, aber dann wäre wirklich ein neues Paradigma im entstehen. Dann könnte eine Revolution der VWL entstehen. Hoffe ich konnte weiterhelfen. Hervorragende VWL- und Marx-Kritik 5 von 5 PunktenHeinsohn und Steiger beanspruchen, mit ?Eigentum, Zins und Geld" erstmals eine Theorie vorzulegen, die erklärt, wie Wirtschaften wirklich funktioniert. Daß die gängigen, an den Hochschulen gelehrten volkswirtschaftlichen Theorien der Wirtschaft schon vom Ansatz her mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben, halte ich für richtig; und auch die marxsche Ökonomie wurde vom Scheitern des Sozialismus praktisch dementiert. Daß Heinsohn/Steiger jedoch ein gut ausgearbeitetes alternatives Erklärungsmodell vorlegen würden, kann man nicht behaupten. Über weite Strecken sprunghafte Gedankenführung kennzeichnet das Buch, zentrale Begriffe werden nicht wirklich sauber definiert. Sie liefern aber viele wertvolle Einsichten und Anregungen in Richtung auf ein alternatives Erklärungsmodell. Die Stärken des Buches liegen darin, daß Heinsohn/Steiger nicht versuchen, eine für alle Zeiten und Gesellschaftsformen gültige Theorie zu entwerfen, sondern drei Gesellschaftsformen unterscheiden: auf verwandtschaftlicher Solidarität basierende Stammesgesellschaften, auf Autorität und Herrschaft basierende Befehlsgesellschaften (feudale Abgabenwirtschaften - hier ordnen H/S auch den Sozialismus ein) und auf Eigentum und Vertragsfreiheit beruhende Geldwirtschaften. Einen solchen kulturvergleichenden Ansatz halte ich für eine sinnvolle Wirtschaftstheorie für unverzichtbar. Kern des Buchs ist ihr Versuch, den Zusammenhang von Eigentum, Vertrag (inclusive Haftung/Einklagbarkeit), Zins, Geld, Markt und Wachstum(szwang) auf eine Weise zu rekonstruieren, die - anders als etwa das Grundmodell der Neoklassik - mit der wirtschaftspraktischen Realität im Einklang steht. Hinsichtlich des Geldes lassen sich die Autoren dabei als Banking-Theoretiker einordnen, für die ?Geld" immer eine Forderung/Verbindlichkeit darstellt. Viele Ökonomen wehren sich mit Händen und Füßen gegen einen solchen Ansatz - ohne überzeugende Argumente. Allerdings entwerfen H/S auf der Basis ihres aus mikroökonomischer Sicht durchaus überzeugenden Geldbegriffs meiner Meinung nach kein schlüssiges Modell gesamtwirtschaftlicher Prozesse, obwohl ihr Grundansatz durchaus das Potential hätte. An Heinsohn/Steigers Buch ist sehr angenehm, daß sie durchwegs auf die im Zusammenhang mit Eigentum, Zins und Geld weithin üblichen ideologischen Denkfiguren verzichten und sich stattdessen darauf konzentrieren, offene Fragen hinsichtlich dieser Zentralphänomene zu verfolgen und bessere Antworten zu finden. Darin liegt ein kaum zu überschätzender Nutzen dieses Buchs, denn ein solch konsequent unideologisch forschender Ansatz ist sehr, sehr selten. Viel öfter wird in Öffentlichkeit und Literatur über die Phänomene Eigentum, Zins und Geld eher sehr widersprüchlich diskutiert. Fehlende analytische Präzision und begriffliche Scheinklarheit mischt sich dann schnell mit moralischen Bewertungen und ideologischen Überzeugungen, und die Diskussion gleitet schnell ins irrationale ab. Für die einen stellen Eigentum, Zins und Geld naturgegebene, ewige und der menschlichen Natur gemäße Phänomene dar, für die anderen widernatürliche, die menschliche Natur korrumpierende Erfindungen oder tragische Verirrungen. Solche Bewertungen führen aber nicht weiter. Heinsohn/Steiger dagegen verzichten auf Bewertungen und bieten neue Klärungsmöglichkeiten an. Wer also wirklich herausfinden will, wie Wirtschaft funktioniert und schon begriffen hat, daß die gängigen Theorien dabei kaum weiterhelfen bzw. in Sackgassen führen, wird hier eine Fülle origineller Gedanken, Anregungen, wichtiger Beobachtungen und sinnvoller begrifflicher Unterscheidungen finden. Viele der hier vorgetragenen Gedanken werden in einem schlüssigen Erklärungsmodell der Wirtschaft, das diesen Namen wirklich verdient, ihren Platz finden. Ihrem Anspruch, ein solches sauber ausgearbeitetes Modell mit diesem Buch schon vorzulegen, werden Heinsohn/Steiger aber nicht gerecht. Erst jetzt weis ich was Geld eigentlich ist ... 5 von 5 PunktenAls Ingenieur konnte ich in meinem bisherigen Leben dem Thema Volkswirtschaft nicht viel abgewinnen. Über eine Diskussionsrunde mit Gunnar Heinsohn im Fernsehen "Das Philosopische Quartett" kam ich auf diesen bemerkenswerten Soziologen und habe sofort seine Bücher bestellt. "Eigentum, Zins und Geld ..." ist für mich die einzig wahre, richtige und in sich schlüssige Darstellung zum Thema Geld & Wirtschaft. Darauf muss man ersteinmal kommen, das die Geldmenge einer Volkswirtschaft bestimmt wird von der Menge und der Qualität belastbaren Eigentums. Also nichts mit dem ganzen Gerede über Tauschwirtschaft ... und Geld sei ein reines Tauschmittel in einer Güterwirtschaft ... NEIN! Es ist auf Papier gedrucktes Anrecht auf Eigentum (ein Recht also!) und zwar Eigentum der Bank, die das Geld ursprünglich emittierte ... früher oft Privatbanken (beginnend mit dem Wechsel) ... heute aber die Bundesbank. Nur dank der Eigentums-Ökonomie von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger ist es nun auch möglich die heutigen Phänomäne wie Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachtum aber auch die (Wirtschafts)Krise wirtschaftstheoretisch zu verstehen. Ich halte dieses Buch für ein revolutionäres Werk der modernen Wirtschaftswissenschaften! Ein Buch das sich an den berühmten Nobelpreisträgern für Wirtschaftswissenschaften, aber auch an Karl Marx und J.M. Keynes "orientiert" und ihre Denkfehler aufdeckt. Ein beeindruckendes Werk, das durch unglaublich viele auch historische Quellen belegt, das die Wirtschaftswissenschaft ein Fach der Soziologie ist. Sehr beeindruckend. Jetzt behaupte ich für Volkwirtschaftliche Themen und Diskussionen gerüstet zu sein. Ein grosses Danke Schön an Gunnar Heinsohn und Otto Steiger. Gute VWL- und Marx-Kritik 5 von 5 PunktenFür Heinsohn und Steiger sind alle existierenden Theorien der Geldwirtschaft (Klassik von Smith bis Marx, Neoklassik, Keynes und Postkeynesianismus) unbefriedigend, weil keine dieser Theorien überzeugend zeigen kann, was aus einer statischen, traditionalen Gesellschaft eine dynamische moderne Geldwirtschaft macht. Entwicklungstheoretiker sind sich dieses Mangels der Mainstream-VWL auch deutlich bewußt: sie versuchen ja, unzähligen "Entwicklungsländern" Anleitungen zu geben, wie diese den Wohlstand der westeuropäischen Nationen für sich ebenfalls schaffen können; allerdings fällt die Bilanz der Entwicklungsbemühungen vieler Länder sehr ernüchternd aus. Heinsohn und Steiger beanspruchen nun, erreicht zu haben, was ökonomische Theoretiker seit Adam Smith vergeblich versucht haben: zu erklären, wie der "Wealth of Nations" eigentlich zustandekommt, und warum manche Nationen einen solchen "Wealth" schaffen und andere nicht. Sie behaupten, in ?Eigentum, Zins und Geld" erstmals eine Theorie vorzulegen, die erklärt, wie Wirtschaften wirklich funktioniert: wie Eigentum, Zins und Geld zusammenhängen und warum eine auf Eigentum, Vertragsfreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und in Geld abzuwickelnden Verträgen beruhende Gesellschaft einen inneren Zwang zu Wachstum, Fortschritt, Mehrarbeit, aber auch periodische Krisen mit erlahmender wirtschaftlicher Aktivität und steigender Arbeitslosigkeit hervorbringt. Wie lösen H/S ihren Anspruch ein? Die Stärken des Buches liegen für mich darin, daß Heinsohn/Steiger nicht versuchen, eine für alle Zeiten und Gesellschaftsformen gültige Theorie zu entwerfen, sondern drei Gesellschaftsformen unterscheiden: auf verwandtschaftlicher Solidarität basierende Stammesgesellschaften, auf Autorität und Herrschaft basierende Befehlsgesellschaften (feudale Abgabenwirtschaften - hier ordnen H/S auch den Sozialismus ein) und auf Eigentum und Vertragsfreiheit beruhende Geldwirtschaften. Einen solchen kulturvergleichenden Ansatz halte ich für eine sinnvolle Wirtschaftstheorie für unverzichtbar. Auch Heinsohn und Steigers Klärungen zum (ideologisch hoch aufgeladenen) Eigentumsbegriff halte ich für unverzichtbar. Sie bringen auf fast schon peinlich einfache und banale Weise Klarheit in die Streitigkeiten um diesen Begriff. Hinsichtlich des Geldes lassen sich die Autoren als Banking-Theoretiker einordnen, für die ?Geld" immer eine Forderung/Verbindlichkeit und keine bloße Tauschmittelware darstellt. Auch diese Einsicht, die in ähnlicher Form auch Johann Philipp von Bethmann vorgetragen hat, bildet meiner Meinung nach einen unhintergehbaren Kern einer Wirtschaftstheorie, die die wirkliche Wirtschaft beschreiben und nicht (wie die Neoklassik) ein Modell von einem fiktiven Ausgangspunkt aus konstruieren möchte. Alles Wirtschaften beginnt bei H/S mit dem Kredit. Geld ist nicht von vorneherein da oder wird irgendwie auf mysteriöse Weise in die Wirtschaft eingeschleust. Geld kann nur entstehen, wenn sich jemand verschuldet: Geld dokumentiert/repräsentiert immer eine einklagbare und vollstreckbare Forderung. Konkret heißt dies heute: Geschäftsbanken können von der Zentralbank nur Geld bekommen, wenn sie dort dafür Schulddokumente privater Schuldner hinterlegen. Jeder Geldschein dokumentiert damit, daß sich irgendwo ein Privater verschuldet hat und eben dieses Geld, das die Zentralbank gegen sein Schuldanerkenntnis herausgegeben hat, an einem bestimmten Termin schuldet - und bei Zahlungsunfähigkeit dulden muß, daß zwangsvollstreckt wird. Allerdings entwerfen H/S auf der Basis ihres aus mikroökonomischer Sicht überzeugenden Geldbegriffs dann kein (mich) überzeugendes Modell gesamtwirtschaftlicher Prozesse, sondern bleiben auf dieser Ebene eher vage. Damit komme ich zu den Schwächen des Buches: Trotz des übersichtlichen Inhaltsverzeichnisses und der Gliederung des Buchs in zentrale Themen (Eigentum, Zins, Geld, Markt, Akkumulation/Wachstum, Krise) ist die Gedankenführung der Autoren oft schwer nachvollziehbar. Sie ist über weite Strecken sprunghaft, zentrale Begriffe werden oft nicht wirklich sauber definiert und entwickelt. Das Bild gesamtwirtschaftlicher Prozesse, das sich aus ihren begrifflichen Neufassungen ergibt, ist für mich noch nicht klar und detailliert genug ausgearbeitet. Dennoch verfolgen die Autoren einen Ansatz, der sich von den bestehenden Theorien deutlich unterscheidet und diesen meines Erachtens vom Ansatz her deutlich überlegen ist. Denn H/S argumentieren konsequent nicht-universalistisch, sondern kulturvergleichend und beginnen mit der Klärung von Kernbegriffen, die im alltäglichen Wirtschaftsleben eine zentrale Rolle spielen. Auch für die Entwicklungstheorie bietet H/S' Ansatz neue Perspektiven, die z.B. mit den von dem Entwicklungstheoretiker Hernando DeSoto in seinem Buch "The Mystery of Capital" vorgetragenen Ideen hervorragend zusammenpassen. Fazit: Wer wirklich herausfinden will, wie Wirtschaft funktioniert und schon begriffen hat, daß die gängigen Theorien dabei kaum weiterhelfen bzw. in Sackgassen führen, wird hier eine Fülle origineller Gedanken, Anregungen, wichtiger Beobachtungen und sinnvoller begrifflicher Unterscheidungen finden. Viele der hier vorgetragenen Gedanken werden in einem schlüssigen Erklärungsmodell der Wirtschaft, das diesen Namen wirklich verdient, ihren Platz finden. Ihrem Anspruch, ein solches sauber ausgearbeitetes Modell mit schon vorzulegen, werden Heinsohn/Steiger aber mit diesem Buch noch nicht gerecht; dafür bleibt noch viel zu tun. Trotzdem ist ein Ansatz wie der von Heinsohn und Steiger höchst wertvoll für alle, die unabhängig von wissenschaftlichen Brötchengebern darüber nachdenken, wie Wirtschaft wirklich funktioniert. Denn begriffliche Neuansätze wie dieser sind im staatlichen Wissenschaftsbetrieb höchst selten. Dort ist es fürs berufliche Vorankommen oft wichtiger, die bestehenden Theorien der professoralen Autoritäten zu verinnerlichen anstatt durchs Anzweifeln des Nutzens dieser Modelle die eigene Karriere zu gefährden: das staatliche Wissenschaftssystem ist weit weniger innovativ als der Markt. Für den Mut, sich gegen die Mehrzahl ihrer Fachkollegen zu wenden und einen grundsätzlich neuen Denkansatz zu verfolgen, kann man Heinsohn und Steiger dann trotz der Schwächen ihres Buchs auch wirklich gratulieren: denn das ist in den heutigen Sozialwissenschaften leider viel zu selten. es bleiben blinde Flecken 4 von 5 PunktenWie Bernd Senf in seinem Buch "die blinden Flecken der Ökonomie" richtig anmerkt, sind nicht nur Neoliberale, Marxisten und Keynesianer blind gegenüber der Zinsproblematik, sondern auch die scheinbar neuen Ketzer der Ökonomie, Heinsohn und Steiger. Eine sich als vollständig verstehende Wirtschaftstheorie kommt nun mal nicht ohne eine Berücksichtigung der Tatsache aus, dass Zinsen zwangsläufig (!!!) zu einer Wirtschaftskrise führen. Von allen theoretischen Richtungen außer der von Gesell begründeten wird verschwiegen, dass durch Zinsen (exponentiell !!) wachsende Schulden und Vermögen nicht durch ein nicht exponentielles Wirtschaftswachstum getragen werden können. So werden Zinsen und Tilgung immer mehr durch neue Kredite finanziert, entsteht eine Finanzblase, verselbständigt sich die Finanzsphäre und droht sich die Ökonomie, die vom Betrug an der Logik lebt, in ihre Einzelteile aufzulösen. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass das Zinssystem zwangsläufig zu einer Umverteilung von unten nach oben führt und so jede noch so gut gemeinte Sozialpolitik durchkreuzt. Auch Heinsohn/Steiger nehmen den Zinsbetrug für wahre Münze und machen eine Theorie, die zwar auf anderem Gebiet zu glänzen vermag, nicht praktikabel. |
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